Mit Innovation die Ernährungssicherheit gewährleisten
Die Landwirtschaft steht im Zentrum eines globalen Spannungsfeldes aus Klimawandel, geopolitischen Krisen und wachsendem Ernährungsbedarf. Erkenntnisse vom Weltwirtschaftsforum in Davos zeigen: Die Antwort der Industrie liegt in der intelligenten Verknüpfung von digitaler Präzision und biologischem Fortschritt.
Dienstag, 3. Februar 2026
Wer heute auf die globalen Märkte blickt, sieht sich mit einer neuen Realität konfrontiert. Die Zeiten, in denen Handelsbeziehungen rein regelbasiert funktionierten, weichen zunehmend einer machtbasierten Ordnung, was Lieferketten anfälliger macht. Für die Landwirtschaft bedeutet dies, dass sie resilienter werden muss. Es geht nicht mehr nur um Ertragssteigerung, sondern um die Sicherung der Produktion unter volatilen Bedingungen. Besonders der Klimawandel setzt traditionellen Anbaumethoden zu. Ohne technologische Anpassung drohen beispielsweise beim Weizen signifikante Produktionsverluste, die nicht nur Europa, sondern auch Teile Afrikas hart treffen könnten. Europa ist daher gefordert, sich auf seine technologischen Stärken zu besinnen, um im globalen Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren.
Künstliche Intelligenz als landwirtschaftlicher Berater
In Davos dominierte ein Begriff die Diskussionen: Künstliche Intelligenz. Doch jenseits des blossen Hypes zeichnen sich in der Agrarbranche unter dem Begriff „Agricultural Intelligence“ konkrete Anwendungen ab. Dabei geht es nicht darum, den Landwirt durch Roboter zu ersetzen, sondern ihn mit tiefgreifender agronomischer Expertise zu unterstützen, die durch Datenanalyse massiv beschleunigt wird. Dies ist auch dringend nötig: Da die Weltbevölkerung weiterhin wächst, gleichzeitig aber immer weniger Menschen in der Landwirtschaft arbeiten wollen. Nur mit Maschinen kann die Ressourceneffizienz gesteigert und die Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werden. Gleichzeitig gewinnt die Landwirtschaft durch den Einsatz digitaler Helfer wieder an Attraktivität für die nachkommenden, technologieaffinen Generationen.
Moderne KI-Tools helfen dabei, komplexe Entscheidungen auf dem Feld zu vereinfachen. Sie analysieren Wetterdaten, Bodenbeschaffenheit und Pflanzengesundheit in Echtzeit. Das Ziel ist eine Präzisionslandwirtschaft, die Betriebsmittel effizienter nutzt und so Ökologie und Ökonomie versöhnt. Die Industrie arbeitet intensiv daran, diese Technologien so zu gestalten, dass Anwender keine IT-Experten sein müssen, um von ihnen zu profitieren. Partnerschaften zwischen Agrarunternehmen und Softwaregiganten beschleunigen diesen Trend, um digitale Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette skalierbar zu machen.
Hoffnung auf die Biotechnologie
Technologie beschränkt sich jedoch nicht auf das Digitale. Um die Klimaresilienz der Pflanzen zu erhöhen, rücken neue Züchtungsmethoden wieder in den Fokus. Die gesellschaftliche Debatte um Technologien wie die Genom-Editierung hat sich im Vergleich zu den frühen 2000er Jahren spürbar versachlicht. Die Sorge um stabile Lebensmittelpreise und Versorgungssicherheit wiegt für viele Verbraucher heute schwerer als ideologische Grabenkämpfe.
Experten warnen jedoch: Wenn regulatorische Hürden in Europa so hoch bleiben, dass neue Züchtungsverfahren nicht wirtschaftlich sind, gefährdet dies die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft massiv. Innovation benötigt verlässliche Rahmenbedingungen. Nur wenn Europa Technologien zulässt, die Pflanzen hitze- und trockenheitsresistenter machen, kann die Anpassung an den Klimawandel gelingen.
Die Botschaft aus Davos ist klar: Die Werkzeuge, um die Ernährungssicherheit nachhaltig zu gewährleisten, liegen bereit – von der KI-gestützten Datenanalyse bis zur modernen Pflanzenzucht. Es liegt nun an Politik und Gesellschaft, einen holistischen Blick zu entwickeln und diese Werkzeuge auch zum Einsatz kommen zu lassen.
Von der industriellen zur intelligenten Landwirtschaft
2023 haben drei Experten aus Landmaschinenindustrie, Gemüsebau und Agrarjournalismus am Swiss Food-Talk darüber gesprochen, wie die Digitalisierung die Produktion von Lebensmitteln verändert. Sie waren sich einig, dass wir uns am Übergang von der industriellen zur intelligenten Landwirtschaft befinden. Daten und Algorithmen werden immer wichtiger und dienen auch der umfassenden Nachhaltigkeit.
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